E10: Totholz

Totholz – ob stehend oder liegend – bietet einer Vielzahl von Lebewesen Nahrung und Lebensraum. Der Totholzvorrat hat in letzten Jahren zwar stark zugenommen. Aus ökologischer Sicht ist der Totholzvorrat in vielen Schweizer Wäldern heute jedoch immer noch zu tief. Dies gilt in insbesondere für die Wälder des Mittelandes und des Juras.

Unter Totholz verstehen Fachleute abgestorbene Bäume und Äste. Diese zersetzen sich mehr oder weniger schnell und werden schliesslich zu Humus. Totholz bietet einer Vielzahl von Lebewesen Nahrung und Lebensraum. Optimal für eine hohe Biodiversität wäre ein Totholzvorrat von mindestens 20 Kubikmetern pro Hektare. Diese Menge wird in den Schweizer Wäldern heute im Durchschnitt fast erreicht, weil der Totholzvorrat in den letzen elf Jahren um 80 Prozent zugenommen hat. Das Totholz ist in vielen Wäldern jedoch ungleich verteilt. Besonders viel Totholz liegt auf Schadenflächen, die der Orkan «Lothar» hinterlassen hat, während es anderswo kaum Totholz gibt.

Das BDM hat den Indikator E10 mit dem Landesforstinventar (LFI) definiert. Das LFI hat die Indikatorwerte berechnet.

Entwicklung in der Schweiz

In den Schweizer Wäldern gibt es heute mehr Totholz als vor zehn Jahren. In Wäldern, in denen Buchen und Tannen vorherrschen, hat sich die Menge verdoppelt, in den Fichtenwäldern der Tieflagen gibt es heute sogar fast drei Mal so viel Totholz.

Die Tabelle gibt den mittleren Vorrat an stehendem und liegendem Totholz an sowie den Gesamtvorrat. Die Angaben beziehen sich auf verschiedene Waldtypen und die Zeiträume 1993-1995 und 2004-2006. Gemessen wird der Totholzvorrat in Kubikmetern pro Hektare (arithmetisches Mittel) mit 95 Prozent Vertrauensbereich.

 

Lesebeispiel

In Schweizer Buchenwäldern gab es 1993/95 pro Hektare im Durchschnitt zwischen 6,5 und 9,7 Kubikmeter Totholz. Davon waren zwischen 4,8 und 7,2 Kubikmeter stehendes Totholz und 1,3 bis 2,9 Kubikmeter liegendes Totholz. In den Jahren 2004/06 fanden sich in Buchenwäldern insgesamt zwischen 14,6 und 20,8 Kubikmeter Totholz (mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent).

Kommentar

  • In allen Waldtypen gab es zwischen 2004 und 2006 deutlich mehr Totholz als in den 1990er Jahren, nämlich durchschnittlich acht Kubikmeter mehr. Der Waldtyp wird durch die «vorherrschende Baumart» bestimmt (siehe Definition).
  • Am meisten zugenommen hat der Totholzvorrat in den Fichtenwäldern der Hochlagen, am wenigsten in der Kategorie «andere Nadelhölzer».
  • Unter «andere Nadelhölzer» fallen Föhre, Lärche, Arve sowie die Kategorie «übrige Nadelhölzer». Unter «andere Laubhölzer» Ahorn, Esche, Eiche, Kastanie sowie die Kategorie «übrige Laubhölzer».
  • Am meisten Totholz sammelt sich in den Fichtenwäldern der Hochlagen an. Diese Wälder sind schwer zugänglich, weshalb sich Ihre Nutzung oft kaum lohnt. Sehr wenig totes Holz gibt es in den Fichtenpflanzungen und den Laubwäldern der Tieflagen.
  • Die unterschiedlichen Totholzmengen sind teilweise natürlich bedingt. Standortfaktoren wie Temperatur und Niederschlag bremsen oder beschleunigen die Verwitterung. Zudem zersetzen sich verschiedene Baumarten unterschiedlich schnell.
  • Für die Artenvielfalt spielt es eine Rolle, wie das Totholz im Wald verteilt ist. Ein erheblicher Teil des Totholzes findet sich auf den Schadenflächen, die der Orkan Lothar hinterlassen hat. Demgegenüber gibt es anderswo kaum Totholz. Dies zeigt, dass die Mittelwerte allein nicht aussagekräftig sind.
  • Die Daten stammen von den Schweizerischen Landesforstinventuren (LFI), die zwischen 1993 und 1995 (LFI2) sowie zwischen 2004 und 2006 (LFI3) durchgeführt wurden.
  • Das Landesforstinventar unterscheidet zwischen «Hochlagen» und «Tieflagen». Der Übergang liegt je nach Wuchsgebiet, Exposition und Geologie zwischen 900 und 1'200 Meter über Meer. Bei den «Fichten Hochlagen» handelt es sich in der Regel um natürlich verjüngte Wälder, die «Fichten Tieflagen» wurden hingegen aus wirtschaftlichen Gründen gepflanzt.

Quellen

Schweizerisches Landesforstinventar LFI. Spezialauswertung der Erhebungen 1983-85, 1993-95 und 2004-06. 150109UU. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. CH-8903 Birmensdorf

Bedeutung für die Biodiversität

Totes Holz bietet vielen Organismen wie Pilzen, Moosen, Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum. Auch Schnecken sind in der Umgebung von liegendem Totholz häufiger zu finden. Rund ein Fünftel aller Lebewesen im Wald sind auf Totholz angewiesen, viele von ihnen sind bedroht, so beispielsweise über die Hälfte der Käferarten, die auf Totholz angewiesen sind. Untersuchungen schätzen den optimalen Totholzvorrat auf 20 bis 40 Kubikmeter pro Hektare. Der Indikator E10 zeigt aber, dass es in Schweizer Wäldern im Durchschnitt nur rund 19 Kubikmeter Totholz pro Hektare gibt. Es ist unbestritten, dass der Totholzvorrat in vielen Wäldern des Mittelands und des Juras aus ökologischer Sicht auch heute noch zu tief ist.