E11: Wasserentnahmen aus Fliessgewässern
Zur Stromerzeugung wird vielen Flüssen und Bächen Wasser entnommen. Aus der Sicht des Gewässerschutzes beeinträchtigen 90 Prozent dieser Entnahmen die betroffenen Gewässer stark. Dies wirkt sich auf die Gewässer und ihre Artenvielfalt negativ aus.
Am stärksten beeinträchtigt wird der Wasserhaushalt schweizerischer Fliessgewässer durch Wasserentnahmen zur Stromgewinnung. Denn bei der Entscheidung, wie viel Wasser den Gewässern entnommen werden darf, stehen in der Regel andere Aspekte als ihre ökologische Unversehrtheit im Vordergrund. Aus der Sicht des Gewässerschutzes sind die entnommenen Wassermengen deshalb meistens zu hoch. Seit das Gewässerschutzgesetz 1992 in Kraft trat, hat sich der Zustand der Gewässer im Allgemeinen verbessert, ist jedoch in gewissen Fällen noch immer ungenügend.
Entwicklung in der Schweiz
90 Prozent aller Wasserentnahmen sind aus Sicht des Gewässerschutzes bedeutend, weil dabei mehr als die Hälfte der natürlichen Niederabflussmenge entnommen wird.
Die folgende Grafik zeigt die Anzahl Wasserentnahmestellen zur Wasserkraftnutzung in der Schweiz, die vor und nach dem Inkrafttreten des neuen Gewässerschutzgesetzes (1992) bewilligt wurden. Ausserdem gibt die Grafik an, wie viele dieser Wasserentnahmen aus Umweltsicht bedeutend sind.

Lesebeispiel
Bevor das Gewässerschutzgesetz 1992 in Kraft trat, wurden 1’253 Entnahmen zur Wasserkraftnutzung bewilligt. Davon sind 1’116 aus Umweltsicht bedeutend.
Kommentar
- Die Daten basieren auf der Restwasserkarte Schweiz (Kummer et. al., 2007).
- Es wurden nur die Wasserentnahmen zur Wasserkraftnutzung erfasst. Wird mehr als die Hälfte der natürlichen Niederabflussmenge entnommen, ist die Entnahme aus Umweltsicht bedeutend.
- Nicht aufgeführt sind Entnahmen aus Gewässern ohne ständige Wasserführung, Entnahmen für militärische Zwecke und Entnahmen, die rechtlich zwar möglich wären, aber Ende 2004 über keine funktionstüchtige Entnahmevorrichtung verfügten.
- Der grösste Teil der heutigen Wasserentnahmen wurde bewilligt, bevor das neue Gewässerschutzgesetze 1992 in Kraft trat. Diese Konzessionen werden grösstenteils erst zwischen 2030 und 2050 auslaufen. Entnahmen, die nach 1992 bewilligt wurden, müssen die Restwassermengen gemäss Gewässerschutzgesetz einhalten. Möglicherweise halten auch die Betreiber von vorher bewilligten Entnahmen die Auflagen des Gewässerschutzgesetzes freiwillig ein.
Vergleich nach Vegetationshöhenstufen
Der Vergleich nach Vegetationshöhenstufen ist auf dem kompletten Datenblatt E11 detailliert aufgeführt.
Bedeutung für die Biodiversität
Den Schweizer Bächen und Flüssen wird zur Energiegewinnung viel Wasser entnommen. Auf den Restwasserstrecken unterhalb der Entnahmestellen fliesst dann oft nur noch sehr wenig Wasser. Dies hat zusammen mit der Gewässerverschmutzung und der Gewässerverbauung weit reichende Folgen. Zum Beispiel sind viele Fischarten bedroht. Als Lebensgrundlage benötigen Fische in erster Linie genügend Wasser. Geringe Restwassermengen bedeuten grössere Temperaturschwankungen. Das kann die Entwicklung vieler Wasserorganismen beeinträchtigen. Arten, die an starke Strömungen angepasst sind, verlieren durch tiefere Abflussgeschwindigkeiten ihren bevorzugten Lebensraum. Die Kolmatierung der Gewässersohle mit Feinmaterial führt dazu, dass geeignete Laichplätze zugedeckt werden.
Bei zu geringen Restwassermengen kann auch der Grundwasserspiegel sinken, weil weniger Wasser in den Untergrund versickert. Feuchtgebiete wie Riedwiesen trocknen infolge fehlender Staunässe mit der Zeit aus. Feuchtigkeitsliebende Pflanzenarten verlieren ihre Lebensgrundlage und verschwinden.
Zeitweise ausgetrocknete Restwasserstrecken sind für Wasserorganismen verloren. Diese Strecken sind deshalb selbst dann artenarm, wenn sie die meiste Zeit über Wasser führen.
Nicht nur bedeutende Wasserentnahmen wirken sich negativ auf das Gewässer aus, auch ein sehr unregelmässiger Abfluss beeinträchtigt den Lebensraum zahlreicher Wasserlebewesen. Ein Drittel der Schweizer Fliessgewässer sind vom Schwallbetrieb von Wasserkraftwerken betroffen.
Nebst den negativen ökologischen Auswirkungen mindern zu geringe Restwassermengen die Attraktivität von Flüssen und Bächen.
Komplettes Datenblatt
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