E15: Landschaftszerschneidung

Je mehr Hindernisse die Landschaft zerstückeln, desto kleiner ist die effektive Maschenweite und desto ungünstiger ist dies für die Biodiversität.

Der Indikator «Landschaftszerschneidung» zeigt, wie die Landschaft unterhalb von 2100 Metern durch künstliche Barrieren, wie zum Beispiel Strassen oder Siedlungen, zerschnitten wird. Je mehr solche Barrieren die Landschaft zerstückeln, desto mehr werden Tiere daran gehindert, sich frei zu bewegen und desto mehr steigt der Druck auf die Biodiversität.

Entwicklung in der Schweiz

Als Mass der Landschaftszerschneidung dient die effektive Maschenweite. Diese bezeichnet die freie Fläche zwischen den Hindernissen, die die Landschaft zerschneiden. Je mehr Hindernisse die Landschaft zerschneiden, desto kleiner ist die effektive Maschenweite. In den letzten 70 Jahren nahm die Maschenweite immer weiter ab, da die Landschaft in diesem Zeitraum stark zerschnitten wurde.

Effektive Maschenweite in Quadratkilometer
  1935 1960 1980 2001 2007
Schweiz 383 341 291 285 283

Lesebeispiel

Die effektive Maschenweite hat sich in der Schweiz von über 383 Quadratkilometer im Jahr 1935 auf 283 Quadratkilometer im Jahr 2007 verengt. Das letzte Beobachtungsintervall ist deutlich kürzer als die vorangehenden.

Kommentar

  • Die Werte gelten für die Schweizer Landschaft unterhalb von 2100 Meter über Meer ohne Gewässer.
  • Es sind Daten für 1935, 1960, 1980, 2001 und 2007 vorhanden. Zu diesen Zeitpunkten sind jeweils die komplett überarbeiteten Landeskarten erschienen. Die Datensätze 2001 und 2007 beruhen auf digitalen Daten (VECTOR25), für die Zeit von 1935 bis 1980 wurden die Landeskarten (1:100'000) sowie die Dufourkarte digitalisiert, um die notwendigen Angaben zu gewinnen.
  • Bei der Berechnung der Maschenweite wurden die Landesgrenzen wie tatsächliche Barrieren behandelt. Die Grenzen zwischen den Regionen flossen hingegen nicht in die Berechnungen ein.
  • Die Klassierung von Strassen- und Schienenabschnitten kann aus politischen und methodischen Gründen geändert werden, was die effektive Maschenweite beeinflusst
  • Bei richtungsgetrennten Autobahnen fliessen beide Fahrbahnen in die Berechnung ein.
  • Das Mass der effektiven Maschenweite gewichtet alle Barrieren gleich. In der Natur macht es aber einen Unterschied, ob ein Tier vor einer Strasse 2. Klasse oder vor einer Autobahn steht. Für gewisse Arten sind möglicherweise alle aufgeführten Infrastrukturelemente unüberwindbare Hindernisse. Für die meisten Arten kommt es aber darauf an, wie das Infrastrukturelement beschaffen ist, das sich ihnen in den Weg stellt (Breite, Wildschutzzaun, etc.).
  • Eine Vielzahl kleiner Strassen erschliesst Dörfer, Landwirtschaftsgebiete und den Wald. Werden sie bei der Berechnung berücksichtigt, sinkt die effektive Maschenweite der Schweiz um zwei Drittel. Im Mittelland beträgt sie dann gar nur noch einen Zehntel1. Die Strassen 3. und 4. Klasse flossen aber beim Indikator E15 nicht in die Berechnung der effektiven Maschenweite ein.
  • Die Problematik der Landschaftszerschneidung ist schon seit Längerem bekannt. So wird im 1998 veröffentlichten Landschaftskonzept Schweiz (BUWAL, BRP, 1998)2 verlangt, dass die Ausdehnung der Siedlungen eingedämmt und die Zerschneidung von Landschaften durch neue und bestehende Strassen oder Schienen minimiert werden soll (Sachziele 8c und 10d).

1 Netzwerk Umweltbeobachtung Schweiz (NUS), Auswertungsprotokoll Parameter 9a (unveröffentlichtes Arbeitspapier)

2 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bundesamt für Raumplanung (ed.), 1998: Landschaftskonzept Schweiz. BRP-Reihe Konzepte und Sachpläne. Bern, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft und Bundesamt für Raumplanung .175 S

Bedeutung für die Biodiversität

Neue Bauten verkleinern den Lebensraum von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. Auf den Strassen sterben jedes Jahr viele Wirbeltiere und unzählige Insekten. Infrastrukturanlagen wirken sich auch indirekt auf die Landschaft aus, etwa durch Lärm, Licht, Abgase oder Veränderung des Mikroklimas. Die Verkleinerung und Zerschneidung der Lebensräume dezimiert und isoliert bestehende Tierpopulationen, und das Risiko steigt, dass diese lokal verschwinden. Für Tierarten, die am Boden leben, können Strassen unüberwindbar sein, weil sie zu trocken, zu breit, zu stark befahren oder eingezäunt sind. Besonders betroffen sind Tierarten mit grossem Raumbedarf und Arten, die jahreszeitlich wandern.