E4: Länge linearer Landschaftselemente
Der Indikator «Länge linearer Landschaftselemente (E4)» weist die Längenveränderungen von Hecken, Waldrändern und offenen Bachläufen aus.
Lineare Landschaftselemente sind Übergangszonen zwischen unterschiedlichen Lebensräumen und deshalb oft besonders artenreich. Sie verbinden verschiedene Naturräume und dienen so vielen Tieren als Wanderkorridore. Der Rückgang solcher Elemente führt zu einem Verlust an Lebensraum und hindert viele Tiere daran, sich frei in der Landschaft zu bewegen. Neu geschaffene Hecken oder Waldränder sowie wieder offen gelegte Bachläufe können zuvor isolierte Lebensräume vernetzen und die ökologische Qualität einer Landschaft erhöhen.
Entwicklung in der Schweiz
Die folgende Tabelle zeigt die Längenveränderungen linearer Landschaftselemente in der Schweiz (ARE/BAFU, 2007)[1]. In aufeinander folgenden Ausgaben der Landeskarte wurden die Signaturen einzelner Landschaftselemente miteinander verglichen, um eine Bilanz zwischen neuen und entfernten Abschnitten zu ziehen. Die Beobachtungsperioden entsprechen den zeitlichen Abständen zwischen den Nachführungen der Landeskarte.
Um die Längenveränderungen richtig einzuordnen, hilft es, diese in einen grösseren Zusammenhang zu stellen und sie mit der Gesamtlänge der untersuchten Landschaftselemente zu vergleichen: 2009 wies die Landeskarte der Schweiz 10’334 Kilometer Hecken, 115’440 Kilometer Waldränder und 61’542 Kilometer Fliessgewässer aus. Diese Angaben beruhen auf dem digitalen Datensatz VECTOR25 von swisstopo.

Lesebeispiel
Die Landeskartensignaturen für Hecken wiesen zwischen 1989 und 2003 einen Nettozuwachs von 62 Kilometern pro Jahr aus.

Kommentar
- Bei der manuellen Erstellung der Landeskarten wurden Heckensymbole früher zum Teil retuschiert, um Platz für Beschriftungen zu schaffen. Eine neue Hecke in einer späteren Kartenausgabe war daher nicht immer neu gepflanzt, sondern konnte unter der Beschriftung wieder zum Vorschein kommen. Mit der Einführung des digitalen Landschaftsmodells VECTOR25 entfiel dieses Problem. Allerdings gibt es bei der Datenerfassung nach wie vor erheblichen Interpretationsspielraum. Trotz dieser Einschränkungen lassen die Daten klar erkennen, dass der Heckenbestand zunimmt.
- Waldränder sind als Übergang zwischen Wald und Offenland ökologisch wichtige Elemente mit einer hohen Artenvielfalt. Waldflächen werden natürlich oder künstlich in ihrer Form und Fläche verändert, zum Beispiel durch Lawinen oder Begradigungen. Dies wirkt sich auf die Waldrandlänge aus. Auch im Inneren von Wäldern können Waldränder entstehen, etwa wenn ein Sturm eine Lichtung schlägt oder beim Bau von Strassen (ARE/BAFU, 2007)[1].
- Im Gegensatz zu den 1970er und 1980er Jahren werden heute deutlich mehr Bäche geöffnet als geschlossen, sei es durch das Anlegen von offenen Versickerungen, Renaturierungen oder durch die natürliche Dynamik von Hochwässern (ARE/BAFU, 2007)[1].
- Die Daten stammen aus der dritten Fortschreibung des Projektes «Landschaft unter Druck» des Bundesamtes für Raumentwicklung ARE und des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Sie beruhen auf dem Änderungsmaterial von swisstopo zur Erstellung der Landeskarten.
[1] Bundesamt für Raumentwicklung ARE / Bundesamt für Umwelt BAFU (Hrsg., 2007): Landschaft unter Druck. 3. Fortschreibung 1989 - 2003. Bern.
Bedeutung für die Biodiversität
Der Rückgang linearer Landschaftselemente hat nicht nur einen Lebensraumverlust zur Folge, sondern schränkt in der Regel auch die Ausbreitungsmöglichkeiten vieler Tiere ein. Umgekehrt können neu geschaffene Hecken oder Waldränder sowie wieder offen gelegte Bachläufe zuvor isolierte Lebensräume vernetzen und die Landschaft für Tiere und Pflanzen aufwerten.
Der Indikator macht mangels geeigneter Datengrundlagen keine Aussagen zur Qualität der untersuchten Landschaftselemente. Die Qualität eines Lebensraumes ist aber ausschlaggebend für seine Artenvielfalt. Zum Beispiel sind strukturreiche Waldränder von grosser Bedeutung – als eigenständige Lebensräume und als Vernetzungselemente zwischen Wald und Offenland. Dies trifft auf das Mittelland besonders zu, wo der Wald in viele Waldinseln zerstückelt ist. Laut Landesforstinventar 2010[2] weisen aber nur knapp 40 Prozent der Waldränder in der kollinen und montanen Stufe eine hohe Strukturvielfalt auf.
Die Zunahme der Hecken im Mittelland und in den Agglomerationen ist positiv für die Artenvielfalt. Denn neue Hecken sind zusätzliche Strukturen in einer durch die intensive Landwirtschaft und den starken Siedlungsdruck «ausgeräumten» Landschaft.
Das Verlegen von Bächen unter die Erde bedeutet eine Verarmung der Landschaft und eine Abnahme der Struktur- und Artenvielfalt. Heute werden viele geschlossene Bäche renaturiert. Diese Tendenz ist für die Biodiversität vorteilhaft.
[2] Brändli, U.-B. (Red.) 2010: Schweizerisches Landesforstinventar. Ergebnisse der dritten Erhebung 2004-2006. Birmensdorf, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Bern, Bundesamt für Umwelt, BAFU. 312 S.