E9: Jungwaldfläche mit künstlicher Verjüngung
Die genetische Vielfalt unter den Jungbäumen ist im natürlich verjüngten Wald grösser, als wenn das Pflanzenmaterial aus Baumschulen stammt. Natürlich verjüngte Wälder sind besser an ihre Standorte angepasst und in der Regel vielfältiger. Der Anteil der natürlich verjüngten Jungwaldfläche hat stark zugenommen.
Der Indikator zeigt, auf welche Weise Schweizer Waldbestände verjüngt werden. Die natürliche Verjüngung wirkt sich in der Regel positiv auf die Biodiversität im Wald aus. Es ist deshalb erfreulich, dass der Anteil der künstlich verjüngten Jungwaldfläche in den letzen zwanzig Jahren von durchschnittlich 24 Prozent auf 5 Prozent gesunken ist. Die Anteile der natürlichen Verjüngung liegen gemäss der letzten Untersuchung zwischen 63 Prozent im Mittelland und 97 Prozent an der Alpensüdflanke.
Die Entwicklung des Indikators E9 erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Vertretern des Landesforstinventares (LFI). Die Berechnung der Indikatorwerte wurde vom LFI durchgeführt.
Entwicklung in der Schweiz
Die künstliche Verjüngung nimmt in den Schweizer Wäldern ab, während im Gegenzug die Naturverjüngung zunimmt.
Anteile der Verjüngungsarten an der gesamten Jungwaldfläche der Schweiz in den Jahren 1983/85, 1993/95 und 2004/06. Angaben in Prozent mit einem 95 Prozent-Vertrauensbereich.

Lesebeispiel
Der Anteil der Kunstverjüngung an der gesamten Schweizer Jungwaldfläche lag in den Jahren 1983/85 im Durchschnitt zwischen 21 und 27 Prozent, 1993/95 zwischen 12 und 20 Prozent und 2004/06 zwischen 3 und 7 Prozent.
Kommentar
- Der Anteil der natürlichen Verjüngung an der Schweizer Jungwaldfläche nahm in den letzten 20 Jahren kontinuierlich zu: In den Jahren 1983/85 wurde rund die Hälfte der Jungwaldfläche natürlich verjüngt, in den Jahren 1993/95 bereits rund 60 Prozent und 2004/06 knapp 80 Prozent.
- Zwischen 1983/85 und 2004/06 schrumpfte die künstlich verjüngte Waldfläche um rund 140 Quadratkilometer. In diesem Zeitraum nahm die natürlich verjüngte Waldfläche um 186 Quadratkilometer zu.
- Der Anteil des Jungwaldes am Gesamtwald ist zwischen 1983/85 und 2004/06 leicht gesunken (von 5,9 Prozent auf 5,3 Prozent). In den Jahren 2004/06 bedeckten Jungwaldbestände rund 684 Quadratkilometer des Schweizer Waldes.
Quellen
Schweizerisches Landesforstinventar LFI. Spezialauswertung der Erhebungen 1983–85, 1993–95 und 2004–06. 26122008UU. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. CH-8903 Birmensdorf.
Bedeutung für die Biodiversität
Der Anteil natürlich verjüngter Waldflächen hat in den letzten 20 Jahren zugenommen, während Pflanzungen zunehmend an Bedeutung verloren. Heute verjüngt sich der Schweizer Wald zu 80 Prozent natürlich. Gepflanzt wird meist nur noch, um Schutzwälder zu stärken, um die Artenvielfalt mit speziellen Massnahmen zu fördern oder um Wertholz zu produzieren.
Im letzten Jahrhundert waren aus wirtschaftlichen Gründen auch im angestammten Buchenwald-Areal reine Fichtenforste angepflanzt worden. Inzwischen ist im Mittelland der Nadelholzanteil im Jungwald wieder gesunken. Mitte der 1990er Jahre waren junge Bestände deshalb laubholzreicher als ältere Waldbestände. Dank eines naturnaheren Waldbaus konnten sich offenbar wieder vermehrt standortgerechte Lebensräume entwickeln.
Durch Windwurf, Brand oder die wirtschaftliche Nutzung entstehen Lücken im Wald. Überlässt man solche Lichtungen sich selbst, siedeln sich bald Pionierpflanzen an, die vom Licht auf den offenen Flächen profitieren. Diese Pionierpflanzen werden von anderen Pflanzen ver drängt, die wiederum durch die langsam aufkommende «Schlussvegetation» abgelöst wird. Je des Stadium in diesem Entwicklungsprozess wird durch andere Pflanzen- und Tierarten charakterisiert. Von Anfang an entsteht ein strukturreicher und meist artenreicher Bestand, der auch später vielfältig bleibt, wenn er gepflegt wird. Im Zuge einer solchen natürlichen Verjüngung bleiben zudem die lokalen Baumarten erhalten, deren Erbgut den herrschenden Standortbedingungen besonders gut angepasst ist.
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