Indikatorenübersicht Z
Z1: Anzahl Nutzrassen und -sorten
Die genetische Vielfalt ist für den Erhalt der Biodiversität von grosser Bedeutung. Vielfalt kann verloren gehen, ohne dass eine Art ausstirbt, zum Beispiel wenn Unterarten, aber auch wenn Rassen oder Sorten verschwinden. Diese Gefahr ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen, weil sich die Landwirtschaft dem Ertrag zuliebe bei der Zucht auf einige wenige Rassen und Sorten konzentriert hat. Jene Rassen und Sorten, die - gemessen in Litern und Kilogramm pro Jahr - weniger produktiv oder anfälliger gegen Krankheiten sind, wurden in der Nutztierhaltung und im Erwerbsanbau verdrängt. Daher werden heute besondere Anstrengungen unternommen, um ältere Rassen und Sorten mit ihren speziellen genetischen Merkmalen zu erhalten. Der Indikator vermittelt einen Überblick sowohl über die in der Schweiz gezüchteten Tierrassen für welche ein Herdebuch geführt wird, als auch über Sorten ausgewählter Nutzpflanzenarten, die erhalten werden sollen. >mehr
Z2: Anteil der Nutzrassen und -sorten
Der Anteil von Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten an der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zu Gunsten einiger weniger Rassen und Sorten verschoben. Doch nicht nur der Verlust von Rassen und Sorten ist problematisch, sondern auch die Schmälerung der genetischen Basis auf wenige leistungsfähige Hybridlinien. Die Tendenz zur Inzucht vermindert die genetische Bandbreite der Nutztiere und -pflanzen und schränkt so das Reaktionspotenzial einer Population im Falle von Infektionskrankheiten, Parasitenbefall oder Seuchen ein. >mehr
Z3: Artenvielfalt in der Schweiz und in den Regionen
Zwischen 1900 und 2000 änderte sich die Zahl der wild lebenden Arten, die das BDM überwacht, insgesamt kaum. Eine deutliche Zunahme gab es nur bei den Brutvögeln (plus 17 Arten) und bei den Säugetieren (plus 6 Arten). Bei den Reptilien ist eine Art neu hinzugekommen. Abgenommen hat die Artenzahl der Heuschrecken (minus 2), der Rundmäuler (minus 1) und der Tagfalter (minus 2). Bei den Amphibien und Fischen sind Arten neu hinzugekommen, andere sind verschwunden. Die Bilanz blieb jedoch gesamthaft ausgeglichen. Ausgeglichen ist die Bilanz auch bei den Libellen. Die Artenzahl nahm zwischen 1970 und 1990 am stärksten zu. Zwischen 1997 und 2009 war die Zunahme geringer (plus 6 Arten). Neuzuzüge und Verschwinden hielten sich fast die Waage. Die Veränderungen werden entweder durch sehr seltene Arten verursacht, die in der Schweiz an ihre geografischen oder ökologischen Grenzen stossen oder durch das absichtliche oder zufällige Aussetzen fremder Arten. Verbesserte Artenkenntnis und zunehmende Erfahrung könnte ebenfalls eine Rolle spielen. In den verschiedenen Regionen veränderten sich die Artenzahlen stärker als gesamtschweizerisch gesehen. >mehr
Z4: Weltweit bedrohte Arten in der Schweiz
Die Schweiz bietet vielen Pflanzen und Tieren, die weltweit gefährdet und damit vom Aussterben bedroht sind, einen Lebensraum. Der Indikator zeigt, ob die Schweiz Bestände von solch bedrohten Arten auf ihrem Gebiet erhalten kann. >mehr
Z5: Gefährdungsbilanzen
In den letzten hundertfünfzig Jahren sind in der Schweiz 244 Tier- und Pflanzenarten verschollen oder verschwunden. Andere laufen Gefahr, lokal, regional oder gar global auszusterben. Rote Listen (RL) dokumentieren diese Gefährdung. Als Instrument des Naturschutzes stellen sie für Massnahmen gegen das Artensterben grundlegende Informationen bereit. Seit Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht das BAFU rechtskräftige Rote Listen und aktualisiert sie im Rhythmus von 10-20 Jahren, je nach Artengruppe. >mehr
Z6: Bestand bedrohter Arten
Der Indikator Z6 zeigt an Beispielen, wie sich die Bestände bedrohter oder potenziell bedrohter Tier- und Pflanzenarten innerhalb von zehn oder mehr Jahren verändern. Arten mit erhöhtem Aussterberisiko sind für den Erhalt der Artenvielfalt von besonderer Bedeutung. Bei Z6 erlauben in der Regel jährliche Zählungen, die Entwicklung der erfassten Arten so exakt wie möglich zu verfolgen. Die vorgestellten Beispiele zeigen ganz unterschiedliche Bestandesverläufe und -trends. Es gibt sowohl Arten, deren Bestände zunehmen (etwa die Kolbenente), als auch Arten, deren Populationen bis zur Bedeutungslosigkeit absinken (zum Beispiel die Bekassine). Die Bestände anderer Arten, etwa der Fledermaus «Grosse Hufeisennase», schwanken. >mehr
Z7: Artenvielfalt in Landschaften
Der Indikator «Artenvielfalt in Landschaften (Z7)» ist einer der Kernindikatoren des BDM und zeigt auf, wie viele Arten in den Landschaften der Schweiz vorkommen. Inzwischen liegen für die untersuchten Artengruppen Gefässpflanzen, Brutvögel und Tagfalter vollständige Zustands- und erste Veränderungswerte vor. Die Ergebnisse zeigen, dass die Pflanzenartenvielfalt in verschiedenen Landschaften während der vergangenen fünf Jahre zugenommen hat. Bei den Brutvögeln und Tagfaltern ist dagegen im gleichen Beobachtungszeitraum keine Veränderung der Artenvielfalt nachweisbar. >mehr
Z8: Bestand häufiger Arten
Der Indikator «Bestand häufiger Arten (Z8)» erfasst, wie sich die Bestände häufiger Tier- und Pflanzenarten im Laufe der Zeit verändern. Häufige Arten sind ökologisch bedeutend: Sie bilden den Hauptteil der lebenden Biomasse, eine ergiebige Nahrungsquelle für andere Organismen und liefern den grössten Beitrag an die Ökodienstleistungen. Mit ihren grossen Beständen und ihrer weiten Verbreitung prägen sie das Erscheinungsbild ihrer Lebensräume und sogar ganzer Landschaften. >mehr
Z9: Artenvielfalt in Lebensräumen
Der Indikator Z9 ist einer der Kernindikatoren des BDM und zeigt auf, wie viele Arten in den verschiedenen Lebensräumen (Biotopen) der Schweiz vorkommen, und wie sich diese Artenzahlen verändern – etwa im Wald, in der Siedlung, auf dem Acker oder in Gewässern.
Die heute verfügbaren Daten lassen erkennen, dass auf den Alpweiden und im Gebirge die durchschnittlichen Artenzahlen der Gefässpflanzen, Moose und Mollusken (Gehäuseschnecken) in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben. Auf den Wiesen und Weiden sowie im Wald sind Zunahmen der Moose und Mollusken zu erkennen, auf den Äckern und in den Siedlungen haben nur die Mollusken zugenommen.
Neu sind auch die Gewässerinsekten in den Indikator Z9 integriert.
>mehr
Z10: Fläche der wertvollen Biotope
Wertvolle Biotope heben sich von der Normallandschaft ab. Sie zeichnen sich durch besondere Schönheit aus, sind typisch für den jeweiligen Lebensraum und bieten einzigartigen Pflanzen- und Tiergemeinschaften Schutz und Lebensraum. Oft sind sie gefährdet. Wertvolle, gesamtschweizerisch bedeutende Biotope wie Auengebiete, Hochmoore oder Trockenwiesen sind in sogenannten Bundesinventaren erfasst. Der Flächenanteil dieser Biotope an der Landesfläche ist je nach biogeografischer Region unterschiedlich: Am höchsten ist er an der Alpennordflanke, wo 2,29 Prozent der Gesamtfläche in einem Bundesinventar erfasst sind; darauf folgen die Östlichen Zentralalpen mit 1,97 Prozent, und am tiefsten ist der Anteil mit 0,89 Prozent im Mittelland. Die Gesamtfläche der erfassten gesamtschweizerisch bedeutenden Biotope beträgt 63’412 Hektar, was rund 1,5 Prozent der Landesfläche entspricht. >mehr
Z11: Qualität der wertvollen Biotope
Der Indikator beschreibt, wie sich die Qualität der wertvollen Biotope verändert. Erste Resultate liegen für Moore vor. Moore sind zwar keine Hotspots der Biodiversität. Im Gegenteil, sie beherbergen relativ wenige Tier- und Pflanzenarten. Diese sind aber zumeist auf den Lebensraum Moor angewiesen und kommen anderswo nicht vor. Zudem sind viele Moorbewohner selten und stehen auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Auch die Moore selbst sind relativ seltene Landschaftselemente und als solche schützenswert. >mehr
Z12: Vielfalt von Artengemeinschaften
Der Indikator «Vielfalt von Artengemeinschaften (Z12)» beschreibt, wie sich die Artenzusammensetzungen innerhalb einzelner Nutzungstypen und in den verschiedenen Regionen der Schweiz entwickeln. Wenn sich infolge einheitlicher Nutzungen und anderen Prozessen überall die gleichen Arten ausbreiten, so steigt vielleicht kleinräumig betrachtet die Artenzahl, aber grossräumig wäre ein Verlust an Vielfalt, eine Vereinheitlichung die Folge. Umgekehrt können auch eher artenarme Standorte zur Vielfalt beitragen, wenn sie Arten beherbergen, die anderswo fehlen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Artengemeinschaften bei Pflanzen in den ganzen Landschaften, aber auch in Wiesen und Weiden tatsächlich vereinheitlichen. >mehr