Z1: Anzahl Nutzrassen und -sorten
Die genetische Vielfalt ist für den Erhalt der Biodiversität von grosser Bedeutung. Vielfalt kann verloren gehen, ohne dass eine Art ausstirbt, zum Beispiel wenn Unterarten, aber auch wenn Rassen oder Sorten verschwinden. Diese Gefahr ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen, weil sich die Landwirtschaft dem Ertrag zuliebe bei der Zucht auf einige wenige Rassen und Sorten konzentriert hat. Jene Rassen und Sorten, die – gemessen in Litern und Kilogramm pro Jahr – weniger produktiv oder anfälliger gegen Krankheiten sind, wurden in der Nutztierhaltung und im Erwerbsanbau verdrängt. Daher werden heute besondere Anstrengungen unternommen, um ältere Rassen und Sorten mit ihren speziellen genetischen Merkmalen zu erhalten.
Der Indikator vermittelt einen Überblick sowohl über die in der Schweiz gezüchteten Tierrassen für welche ein Herdebuch geführt wird, als auch über Sorten ausgewählter Nutzpflanzenarten, die erhalten werden sollen.
Anzahl der Rinder-, Schweine-, Schaf- und Ziegenrassen mit Herdebuch in der Schweiz
Anzahl Rassen

Kommentare
- Nur ein kleiner Teil der in der Schweiz gezüchteten Rassen stammt ursprünglich von hier. Für diese trägt die Schweiz aber eine besondere Verantwortung. Der Bund fördert Nutztierrassen, die seit mindestens 50 Jahren in der Schweiz gezüchtet werden und die gemäss internationalen Kriterien als gefährdet gelten, mit speziellen Programmen, die den Erhalt der Rassen sichern sollen. Solche Programme gibt es auch für Rassen, die zurzeit nicht akut gefährdet sind, deren Populationsgrösse jedoch seit einigen Jahren kontinuierlich abnimmt. Verschiedentlich beschränkt sich die besondere Verantwortung auf eine Sektion innerhalb der Rasse. So stammt etwa die Sektion «Original Braunvieh» ursprünglich aus der Schweiz, macht heute aber nur noch einen geringen Teil der Rasse «Braunvieh» aus. Der Bund unterstützt deshalb ein Förderungsprogramm für diese Sektion.
- Bis 1999 hat der Bund nur die Zucht von offiziellen Schweizer Rassen gefördert (vier Rinder-, zwei Schweine-, vier Schaf- und acht Ziegenrassen). Mit der Tierzuchtverordnung vom 7. Dezember 1998, inzwischen abgelöst durch die Tierzuchtverordnung vom 14. November 2007 (SR 916.310), wurden die Bestimmungen gelockert, und neu wird auch die Zucht anderer Rassen unterstützt. Die Verantwortung für die Tierzucht wird den staatlich anerkannten Zuchtorganisationen übertragen. Der Bund setzt Leitplanken, indem er Zuchtorganisationen anerkennt und die künstliche Besamung regelt. Weil die Tierzuchtverordnung von 1998 weit tragende Wirkung entfaltet, beschränkt sich der vorliegende Indikator auf die Daten ab 1999.
- Seit 1999 nimmt die Zahl der Rassen zu, für die ein Herdebuch geführt wird. Dies ist der damals in Kraft getretenen Änderung der Tierzuchtverordnung zuzuschreiben, sowie den seit 1995 aufgehobenen Importbeschränkungen. Der Bund unterstützt anerkannte Zuchtverbände für ihre züchterischen Dienstleistungen, unabhängig davon, welche Rassen sie züchten. Anders als früher schreibt er auch die Zuchtziele nicht mehr vor. Diese können heute von jeder Zuchtorganisation selbst bestimmt werden. Hinzu kommen aber noch die Bestrebungen von Pro Specie Rara, die sich der Anerkennung und der Erhaltung seltener Rassen widmet.
- Alle Schafrassen sind genotypisch eng verwandt. Sie unterscheiden sich vor allem durch den Phänotyp. Seit den 1960er Jahren wurden bereits viele Schläge zusammengelegt, weil sie sich genetisch sehr ähnlich sind. Ähnliches gilt für die Ziegen, insbesondere für die «Gemsfarbige Gebirgsziege».
- Die Zunahme der Rinderrassen von 19 auf 3 ist im Wesentlichen auf Fleischrinderrassen zurückzuführen.
Anzahl Pflanzensorten in den Positivlisten im Jahr 2010
| Pflanzenart | Anzahl der Sorten |
|---|---|
| Kartoffeln | 75 |
| Äpfel | 846 |
| Birnen | 638 |
| Reben | 135 |
| Gerste | 731 |
| Roggen | 14 |
| Dinkel | 292 |
| Weizen | 415 |
Kommentar
- Die Bedeutung der Zahlen ist vor allem im Verhältnis zu den Flächen der angebauten Sorten (Z2) zu sehen. Von den über 800 Apfelsorten spielen im Erwerbsobstbau nur etwa acht eine Rolle (Anteil der einzelnen Sorte 4 Prozent oder mehr). Auch wenn diese Schwelle niedriger gesetzt würde, änderte sich am Bild nichts Grundsätzliches. Die Sortenvielfalt ist insgesamt immens. Der Anbau hingegen beschränkt sich auf wenige.
- Im Prinzip ähnlich, aber noch extremer, sind die Verhältnisse bei den Birnen (vier Hauptsorten) und den Reben (bei den roten Gewächsen vier und bei den weissen drei Sorten mit einem Anteil von 4 Prozent oder mehr).
- Gemessen an der Anzahl der Sorten insgesamt ist bei der Kartoffel die relative Vielfalt der angebauten Sorten am grössten (auf 75 Sorten kommen 7 Sorten mit einem Anteil von 4 Prozent oder mehr).
- Die Gesamtzahl der Sorten einer Art, die in der Schweiz vorhanden sind (angebaut werden oder in Sortensammlungen aufgenommen sind), ist wahrscheinlich grösser, als die Zahlen der Tabelle 2 angeben. Einerseits werden nicht alle Sorten einer Art in die Positivliste der Nationalen Datenbank aufgenommen, auch wenn sie im Anbau von grosser Bedeutung sind. Im „Weinjahr 201009“ sind total 21705 Rebsorten aufgelistet, die Positivliste aber umfasst lediglich 135. Andrerseits ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, respektive es ist sogar davon auszugehen, dass die Positivlisten genetisch identische Sorten unter verschiedenen Sortennamen enthalten, die dann nach Überprüfungen eliminiert werden. Die Positivliste der Kartoffeln umfasste beispielsweise 2009 97 Sorten, nach einer Bereinigung sind es 20110 noch 75.
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Indikatoren zum Thema
Weblinks
- Bundesamt für Landwirtschaft, BLW
- Schweizerische Kommission zur Erhaltung von Kulturpflanzen, SKEK
- Datenbank des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft NAP-PGREL
- Pro Specie Rara
- Homepage von Mutterkuh Schweiz
- Tierzuchtverordnung
- Anerkannte Zuchtorganisationen in der Schweiz
- Internationaler Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft