Z5: Gefährdungsbilanzen

In den letzten hundertfünfzig Jahren sind in der Schweiz 244 Tier- und Pflanzenarten verschollen oder verschwunden. Andere laufen Gefahr, lokal, regional oder gar global auszusterben. Rote Listen (RL) dokumentieren diese Gefährdung. Als Instrument des Naturschutzes stellen sie für Massnahmen gegen das Artensterben grundlegende Informationen bereit. Seit Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht das BAFU rechtskräftige Rote Listen und aktualisiert sie im Rhythmus von 10-20 Jahren, je nach Artengruppe.

Für folgende Artengruppen liegen nach IUCN-Kriterien erstellte Rote Listen vor:
Brutvögel, Reptilien, Amphibien, Fische, Köcherfliegen, Heuschrecken, Steinfliegen, Libellen, Eintagsfliegen, Zehnfusskrebse, Muscheln, Schnecken, Farn- und Blütenpflanzen, Moose, Armleuchteralgen, baum- und erdbewohnende Flechten, sowie Grosspilze.

Rote Listen verschiedener Tiergruppen der Schweiz

Aussterberisiko ausgedrückt in Gefährdungskategorien

Kommentar

  • Über die Hälfte der Reptilienarten, die in der Schweiz vorkommen, sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
  • Die Wechselkröte Bufo viridis gilt in der Schweiz als ausgestorben, denn es sind keine Standorte mehr bekannt. Sie war in der Schweiz seit jeher selten und kam nur in der Region Basel und im Südtessin vor.
  • 51 Prozent der Fischarten der Schweiz sind Rote Listen-Arten. Neun Arten müssen als hierzulande ausgestorben betrachtet werden. Eine endemische Art aus dem Neuenburgersee, der Jaunet Salvelinus neocomensis, ist damit sogar weltweit ausgestorben (siehe Kottelat & Freyhof, 2007). Zu acht Arten sind die Daten für eine Einstufung nicht ausreichend.
  • Die Felchen werden gemäss Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF) vom 24. November 1993 (Stand am 1. Juni 2011) auf Gattungsebene behandelt. Der Gefährdungsgrad der einzelnen Felchen-Arten (Coregonus spp., siehe BDM-Indikator Z3) ist deshalb nicht rechtsgültig festgelegt. Die Gattung insgesamt ist als NT – also potenziell gefährdet – eingestuft und wird in den Berechnungen als eine Einheit berücksichtigt. Es gibt aber einzelne Felchenarten, wie etwa den Férit (Coregonus restrictus), die mit ihrem Verschwinden weltweit ausgestorben sind (siehe BDM-Indikator Z4). Der Férit kam im Murtensee vor und wurde letztmals 1890 nachgewiesen.