Z8: Bestand häufiger Arten
Der Indikator «Bestand häufiger Arten (Z8)» erfasst, wie sich die Bestände häufiger Tier- und Pflanzenarten im Laufe der Zeit verändern. Häufige Arten sind ökologisch bedeutend: Sie bilden den Hauptteil der lebenden Biomasse, eine ergiebige Nahrungsquelle für andere Organismen und liefern den grössten Beitrag an die Ökodienstleistungen. Mit ihren grossen Beständen und ihrer weiten Verbreitung prägen sie das Erscheinungsbild ihrer Lebensräume und sogar ganzer Landschaften.
Veränderungen der Verbreitung von Brutvogel-, Pflanzen- und Tagfalterarten
Die folgende Tabelle zeigt jeweils die zehn Vogel- Pflanzen- und Tagfalterarten, deren Verbreitung zwischen 2001 und 2010 gesamtschweizerisch am stärksten zu- oder abnahm (nur signifikante Frequenzänderungen). Arten, die auf weniger als drei Prozent der untersuchten Flächen vorkamen, werden nicht aufgeführt.
| Brutvögel | Pflanzen | Tagfalter |
|---|---|---|
| Wacholderdrossel |
Kriechender Günsel |
Wandergelbling |
| Rotmilan |
Gewöhnliche Esche |
Kurzschwänziger Bläuling |
| Ringeltaube |
Wiesen-Ferkelkraut |
Kleiner Fuchs |
| Tannenmeise |
Vogelbeerbaum |
Mauerfuchs |
| Zitronengirlitz |
Gemeines Kammgras |
Schwarzfleckiger Ameisenbläuling |
| Braunkehlchen |
Rundblättrige Glockenblume |
Alpenapollo |
| Wald-Veilchen* |
Waldteufel |
|
| Kriechendes Straussgras |
Tagpfauenauge |
|
| Gemeines Hirtentäschchen |
Gemeiner Scheckenfalter |
|
| Halbkugelige Rapunzel |
Sonnenröschen-Bläuling* |
* Aggregate und Komplexe
Kommentare
- Bei den allermeisten Brutvogelarten konnte keine signifikante Veränderung nachgewiesen werden. Die grösste Veränderung wurde bei der Wacholderdrossel (Turdus pilaris) mit 43 verwaisten Flächen festgestellt. Am deutlichsten zugelegt hat der Rotmilan (Milvus milvus) mit einer Bilanz von 35 zusätzlichen Flächen. Dies ist sehr erfreulich, weil bei diesem Greifvogel in umliegenden Ländern Bestandeseinbrüche verzeichnet werden. Ebenfalls viel weiter verbreitet ist die Ringeltaube (Columba palumbus), die sich auch in anderen Ländern Europas ausbreitet. Hingegen wurden die Verbreitungsgebiete der Tannenmeise (Parus ater), des Zitronengrilitz (Serinus citrinella) und des Braunkehlchens (Saxicola rubetra) signifikant kleiner. Im Mittelland ist das Braunkehlchen vielerorts seit 1976 verschwunden. Die gegenwärtige Abnahme des Verbreitungsgebietes ist auf die intensivere Bewirtschaftung im Berggebiet zurückzuführen (Grübler et al., 2008). In landwirtschaftlichen Gunstlagen können die Heuwiesen früher und grossflächiger gemäht werden.
- Die Bestände der meisten Gefässpflanzenarten haben sich zwischen 2001 und 2010 nicht nachweisbar verändert. Veränderungen beim Bestand von häufigen Pflanzenarten werden deutlich öfter durch Bestandeszunahmen als durch -abnahmen verursacht. Unter den Gewinnern und Verlierern gibt es Arten mit sehr unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Unter anderen nehmen die Bestände einiger Arten der Fettwiesen zu, etwa jene vom Wiesen-Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) oder Kriechendem Günsel (Ajuga reptans). Einige Waldarten wie die Esche (Fraxinus excelsior) und das Waldveilchen (Viola reichenbachiana*) nehmen stark zu. Möglicherweise liegt dies an einer Veränderung der Waldstruktur infolge der Waldnutzung. Auch in höheren Lagen sind Zunahmen beim Bestand von häufigen Pflanzenarten zu finden, unter anderem die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und die Halbkugelige Rapunzel (Phyteuma hemisphaericum). Auf der Verliererseite stehen unter anderem das Gemeine Kammgras (Cynosurus cristatus), eine Art der Fettweiden, und das Hirtentäschchen (Capsella bursa-pastoris).
- Bei der überwiegenden Zahl der fast 190 Tagfalter-Taxa konnten keine signifikanten Veränderungen der Bestände festgestellt werden. Bei 17 Arten sind die Bestände aber statistisch gesichert verschieden von jenen vor 5 Jahren. Zu- und Abnahmen halten sich in etwa die Waage. Ob die aktuellen Veränderungen einen längerfristigen Trend abbilden, ist derweil aber noch offen. Tagfalterbestände schwanken stärker als jene der Vögel und der Gefässpflanzen (s. auch Basisdatenblatt des Indikators «Artenvielfalt in Landschaften (Z7)»), unter anderem in Abhängigkeit vom jährlichen Witterungsverlauf. Folglich können einzelne gute, individuenreiche oder -arme Jahre die jetzt nachweisbaren Veränderungen wieder ausgleichen. Unter den Arten mit Veränderungen befinden sich solche, die bekanntermassen zu grossen Bestandesschwankungen neigen, wie Wanderfalter, die jahrweise in grosser Zahl nach Mitteleuropa einwandern (Wandergelbling, Colias croceus) und die Brennnesselfalter wie Kleiner Fuchs (Aglais urticae, Abnahme) und Tagpfauenauge (Inachis io, Zunahme). Ein längerfristiger Trend dürfte beim Kurzschwänzigen Bläuling (Cupido argiades) vorliegen. Diese Art hat sich seit 2003 rasch von der Westschweiz bis zum Bodensee ausgebreitet; vorher war sie nur sehr selten in der Südschweiz anzutreffen. Dass die Abnahme des stark gefährdeten Gemeinen Scheckenfalters (Melitaea cinxia) einen längerfristigen Trend anzeigt, ist zumindest denkbar.
Indikatoren zum Thema
Weblinks
- Ausführliche Informationen über das Bundesamt für Umwelt
- Ausführliche Informationen über das Schweizerische Landesforstinventar
- Verbreitungsangaben zu den Schweizer Gefässpflanzen
- Naturräumliches Inventar der Schweizer Moosflora
- Ausführliche Informationen über den Schweizerischen Vogelschutz (SVS)
- Ausführliche Informationen über die Schweizerische Vogelwarte Sempach
Zusätzliche Anhänge
- Anhang 1: Verbreitete Arten der Schweizer Landschaften
- Anhang 2: Häufigste Arten der Schweizer Lebensräume
- Anhang 3: Vollständige Artenliste Brutvögel
- Anhang 4: Vollständige Artenliste Tagfalter
- Anhang 5: Vollständige Artenliste Gefässpflanzen
- Anhang 6: Vollständige Artenliste Moose
- Anhang 7: Vollständige Artenliste Mollusken