Grundsätzlich wird zwischen Arten unterschieden, die zwischen 1900 und 2000 stets in der Schweiz vorkamen und Arten, die Wechsel ihres Status mitmachten. Statuswechsel kann bedeuten, dass eine Art verschwindet, neu hinzukommt oder sich ihr Status mehrmals ändert.
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| Taxonomische Gruppe |
Artenzahl 1900 |
Anzahl Arten, die zwischen 1900 und 2000 stets vorkamen |
neue Arten (Zugänge) |
verschwundene Arten (Abgänge) |
Arten mit mehreren Statuswechseln |
netto Artenzahl 2000 |
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| Säugetiere ohne Fledermäuse |
51 |
49 |
8 |
2 |
0 |
57 |
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| Brutvögel |
160 |
152 |
19 |
5 |
8 |
173* |
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| Reptilien |
14 |
14 |
1 |
0 |
0 |
15 |
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| Amphibien |
18 |
16 |
1 |
0 |
2 |
18* |
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| Fische** |
53 |
49 |
3 |
3 |
1 |
53 |
 |
| Rundmäuler |
2 |
1 |
0 |
1 |
0 |
1 |
 |
| Tagfalter |
191 |
188 |
1 |
3 |
0 |
189 |
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| Heuschrecken |
105 |
102 |
1 |
3 |
0 |
103 |
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| Libellen |
65*** |
62*** |
3 |
3 |
0 |
65 |
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| Total |
659 |
634 |
37 |
20 |
11 |
674* |
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Lesebeispiel
Zwischen 1900 und 2000 lebten 49 Säugetierarten (ohne Fledermäuse) ständig in der Schweiz. Acht Arten kamen hinzu, zwei verschwanden.
* Die Gesamtartenzahl im Jahr 2000 unterscheidet sich von der Zahl im gleichen Jahr in der Tabelle mit den jährlichen Angaben ab 1997 (siehe unten). Dies liegt daran, dass vier Brutvogelarten für den Zeitraum 1900 bis 2000 nicht sicher eingestuft werden konnten. Die Wechselkröte Bufo viridis erscheint im Gegensatz zu der Tabelle unten nicht in der Endbilanz für Amphibien, weil sie gemäss BDM-Kriterien nur zwischen 1999 und 2000 vorkam, also nicht während der gesamten 1990er Jahre (siehe komplettes Datenblatt Z3 (5 MB)).
** Der Aal (Anguilla anguilla) wurde nicht mitgezählt, obwohl er einen wesentlichen Teil seines Lebenszyklus in der Schweiz verbringt. Er gehört jedoch zu den wandernden Arten, die sich hierzulande nicht vermehren. Diese erfasst das BDM grundsätzlich nicht.
*** Sehr wahrscheinlich kam die Zwerglibelle (Nehalennia speciosa) im untersuchten Zeitraum ständig vor. Sie wurde vorläufig dennoch nicht mitgezählt.
Kommentar
Zwischen 1900 und 2000 hat die Zahl der Arten bei den untersuchten Artengruppen gesamthaft zugenommen. Eine besonders deutliche Zunahme gab es bei den Brutvögeln (plus 13 respektive plus 17 Arten; siehe oben) und den Säugetieren (plus 6). Um eine Art zugenommen hat die Zahl der Reptilienarten. Die Rundmäuler büssten eine Art ein, die Tagfalter und die Heuschrecken je zwei. Bei den Amphibien und Fischen wechselten zwar Arten ihren Status, die Bilanz blieb insgesamt jedoch ausgeglichen. Ausgeglichen ist die Bilanz auch bei den Libellen.
Alle acht neuen Säugetierarten verdanken ihre Ausbreitung dem Menschen. Es handelt sich entweder um wieder eingebürgerte Arten wie Steinbock (Capra ibex), Luchs (Lynx lynx) und Biber (Castor fiber) oder um ausgesetzte respektive verwilderte Arten wie Bisamratte (Ondathra zibethicus), Mufflon (Ovis musimon), Waschbär (Procyon lotor), Burunduk (Tamias sibiricus) und Sikahirsch (Cervus nippon). Ausgestorben ist der Fischotter (Lutra lutra). Ausgerottet wurde der Braunbär (Ursus arctos).
Seit 1900 sind 19 Brutvogelarten neu in der Schweiz aufgetaucht, darunter viele, die auf Gewässer angewiesen sind.
14 Arten von Reptilien kamen dauerhaft in der Schweiz vor. Mit der Ruineneidechse (Podarcis sicula) kam bloss eine Art hinzu.
Je eine Amphibienart ist im untersuchten Zeitraum neu erschienen beziehungsweise verschwunden. Der Seefrosch (Pelophylax ridibundus) wurde in der Schweiz ausgesetzt, während die Wechselkröte (Bufo viridis) zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand. In den 1990er Jahren gab es wieder ein kleines Vorkommen im Tessin, das nach wenigen Jahren jedoch erlosch. Der Italienische Springfrosch (Rana latastei), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwand, wurde 1982 im Tessin wiederentdeckt, erfüllt die BDM-Kriterien folglich seit 1990. Die Art ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht neu eingewandert.
Drei Fischarten und das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) verschwanden im fraglichen Zeitraum. Es handelt sich dabei um Arten, die früher zum Ablaichen die Flüsse bis in die Schweiz aufstiegen, was ihnen nach dem Bau von Hindernissen wie Stauanlagen nicht mehr gelang.
Bei den Tagfaltern gilt lediglich der Grosse Feuerfalter (Lycaena dispar) als neu. Dem gegenüber sind seit 1900 drei Arten verschwunden.
Eine Art, die Gewächshausschrecke (Tachycines asynamorus), die in der Schweiz nur in Gebäuden von Zoos, Gärtnereien und dergleichen lebt, ist seit 1900 neu hierher gelangt. Seither sind aber auch drei Arten verschwunden.
Drei Libellenarten sind seit 1900 neu in die Schweiz eingewandert. Dazu gehört die Pokal-Azurjungfer (Erythromma lindenii), die sich bereits 1910 etablierte und die erst spät erschienenen Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) und der Östliche Blaupfeil (Orthetrum albistylum). ). Drei Arten sind im letzten Jahrhundert verschwunden, nämlich die Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum), die Grosse Zangenlibelle (Onychogomphus uncatus) und die Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum).
Dynamik
Von den untersuchten Tiergruppen erfüllten 1900 insgesamt 659 Arten die BDM-Kriterien für ein Vorkommen in der Schweiz. Im Jahr 2000 waren es 15 Arten mehr. Die vier oben erwähnten Vogelarten, die Wechselkröte und die Zwerglibelle sind dabei nicht inbegriffen. Zwischen 1900 und 2000 nahm die Anzahl Arten bei den untersuchten Tiergruppen folglich um rund 2 Prozent zu. Diese geringe Zunahme erklärt sich daraus, dass zwar Arten hinzukamen, aber auch verschwanden.
Entwicklung in der Schweiz 1997 bis 2008
Insgesamt hat sich die Zahl der Wirbeltier-, Tagfalter-, Libellen und Heuschreckenarten in der Schweiz seit 1997 nur wenig verändert. Mal kam eine Art dazu, mal ging eine verloren. Zum Beispiel konnten einige Vogelarten nicht jedes Jahr beobachtet werden. Der Brachpieper (Anthus campestris) fehlt seit 1998 (mit Ausnahme von 2001), das Kleine Sumpfhuhn (Porzana parva) fehlte 1999 und 2002. Vom Grossen Brachvogel (Numenius arquata) gibt es zwischen 2002 und 2004 und ab 2006 keine Brutnachweise. Für die Sturmmöwe (Larus canus) fehlen solche zwischen 2003 und 2006. Neu kommen zum Beispiel der Bienenfresser (Merops apiaster – eine Vogelart), die Fischarten Moorgrundel (Misgurnus fossilis) und Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva) und Rapfen (Aspius aspius), sowie die Nutria (auch Biberratte genannt – Myocastor coypus) und der Wolf (Canis lupus) vor.
Lesebeispiel
1997 wurden in der Schweiz 178 wild lebende Brutvogelarten beobachtet, 2007 177. Die Zahl der wild lebenden Säugetierarten in der Schweiz hat seit 1997 um mindestens zwei Arten zugenommen.
Kommentar
Wie bereits erwähnt, haben sich die Artenzahlen der untersuchten Gruppen seit 1997 nur wenig verändert. Diese Zahlen sagen aber nichts über Zu- oder Abnahmen innerhalb von Populationen aus
Artenlisten können weiter unten unter «Datenblätter» heruntergeladen werden.
Abgänge
1998: Während 15 Jahren gab es regelmässig Brutpaare des Brachpiepers (Anthus campestris) in der Schweiz. Seit 1998 konnten jedoch keine Bruten mehr nachgewiesen werden.
2002: Der seit Jahrzehnten schon sehr kleine Bestand des Kleinen Sumpfhuhnes (Porzana parva) ist weiter zurückgegangen. Die sehr schwer nachzuweisende Art brütet wohl nicht mehr regelmässig in der Schweiz.
2003: In den letzten Jahrzehnten ist der Brutbestand des Grossen Brachvogels (Numenius arquata) nach und nach von über 60 Paaren auf null gesunken. Zwar halten sich jeweils zu Beginn der Brutsaison noch einzelne Paare in geeigneten Habitaten auf, doch kommt es nicht mehr regelmässig zu Brutversuchen.
Zwischen 1966 und 1996 gab es jedes Jahr auf einer kleinen Insel im Neuenburgersee einige wenige Brutpaare der in Nordeuropa weit verbreiteten Sturmmöwe (Larus canus). Seither ist die Art wahrscheinlich von der Mittelmeermöwe (Larus michahellis) verdrängt worden. Mit dem Jahr 2003 hörten die regelmässigen Bruten auf.
Zugänge
1999: Der Bienenfresser Merops apiaster), eine südliche Art, brütet seit 1991 regelmässig in der Schweiz.
1999: Vermutlich in den 1950er Jahren verschwand die Moorgrundel(Misgurnus fossilis) aus der Schweiz. Die letzten Exemplare hatten in der Nähe von Basel gelebt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Art im Rhonetal neu angesiedelt, wo sie sich seither natürlich vermehrt.
2003: Die Nutria (Myocastor coypus), auch Biberratte genannt, kommt seit 2003 in der Schweiz vor.
2004: Der Wolf (Canis lupus) wurde in der Schweiz im 19. Jahrhundert ausgerottet. Von Italien her ist er aber in den 1990er Jahren wieder eingewandert. Seit 2004 kommt er gemäss BDM-Kriterien wieder hierzulande vor.
2006: Neu erfüllt der eingeschleppte Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva) die BDM-Kriterien für ein Vorkommen.
2007: Die Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) und der Weissrückenspecht (Dendrocopos leucotos) erfüllen die BDM-Kriterien für ein Vorkommen.
2008: Der Rapfen (Aspius aspius), eine ursprünglich zentraleuropäische, im Rheineinzugsgebiet heimische und in der Schweiz aber immer sehr seltene Fischart, erfüllt neu die BDM-Kriterien für ein Vorkommen.
Unbeständige Arten
Als unbeständige Arten gelten Arten, die im untersuchten Zeitraum mehr als einmal ihren Status (Vorkommen/Nicht-Vorkommen) wechselten.
1998 bis 2007: Die Bestände der Bekassine (Gallinago gallinago) schrumpfen schon seit langem. Von 1998 bis 2004 kam die Art gemäss BDM-Kriterien nicht mehr in der Schweiz vor, seit 2005 ist dies indes wieder der Fall.
1999 bis 2000: Im Tessin wurde die Wechselkröte (Bufo viridis) wieder angesiedelt, wo sie sich seit 1991 fortpflanzte. Dieses einzige Vorkommen in der Schweiz ist inzwischen aber wieder erloschen.
Quellen
Schweizerische Vogelwarte Sempach
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (KARCH)
Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna (SZKF/CSCF)
Erhebungen im Auftrag des BDM durch Faune Concept und Aquarius
Eigene Erhebungen
Stand
31. August 2009 (Daten 2008). Der Indikator wird jährlich aktualisiert, das nächste Mal voraussichtlich im Herbst 2010. |