Das BDM ist gewappnet für den Klimawandel  
       
 

 

Das Biodiversitätsmonitoring wird in Zukunft zeigen, wie sich der Klimawandel auf die biologische Vielfalt unseres Landes auswirkt. Dazu ist das BDM in der Lage, weil es langsame, sich fast unmerklich vollziehende Veränderungen erfassen kann.

Das BDM wurde Mitte der 1990er Jahre konzeptioniert, zu einer Zeit, als der Klimawandel noch kein vordringliches Thema war. Das Programm wurde denn auch nicht speziell darauf ausgerichtet, etwaige Auswirkungen des Klimas auf die biologische Vielfalt zu registrieren. Dennoch kann das BDM gerade auch dies zukünftig leisten. Denn das Konzept des BDM ist anpassungsfähig und erlaubt es, auf Fragen zu reagieren, die in der Planungsphase noch gar nicht gestellt wurden. Im Falle des Klimawandels ist dies möglich, weil die Flächen, auf denen das BDM die Artenvielfalt misst, über lange Zeiträume hinweg beobachtet werden. Alle fünf Jahre untersuchen die BDM-Mitarbeitenden jede der insgesamt über 2000 Stichprobeflächen. Im Laufe der Jahrzehnte kommen so lange Messreihen zusammen, die es ermöglichen, die schleichenden Veränderungen zu erkennen, die der Klimawandel verursacht.

So wird sich etwa zeigen, wie sich die Artenzusammensetzung auf den Probeflächen verändert, welche Arten von den steigenden Temperaturen profitieren und welche das Nachsehen haben. Einen Vorgeschmack auf neue Verhältnisse lieferten die BDM-Zahlen zum Sommer 2003, als die ungewöhnliche Hitze dazu führte, dass weit mehr Wanderfalter auftraten als in «normalen» Jahren.

Wanderungen verfolgen
Werden Arten ihr Verbreitungsgebiet unter dem Hitzediktat in kühlere Regionen verlagern? Werden umgekehrt andere Arten in Gebiete vorstossen, die ihnen bislang zu kalt waren? Werden sich eingeschleppte, Wärme liebende Pflanzen und Tiere auf Kosten der heimischen Flora und Fauna ausbreiten? Auf solche Fragen wird das BDM Antworten geben können, denn die Stichprobeflächen des Programms sind über die ganze Schweiz verteilt, von Süd nach Nord, Ost nach West, von den Tieflagen bis in die alpine Stufe. Wanderungsbewegungen innerhalb der Schweiz können so zuverlässig nachvollzogen werden.

Was geschieht hingegen mit Arten, denen keine Zufluchtsorte bleiben? Insbesondere in den Bergregionen unseres Landes stossen Arten an die Grenzen ihrer Ausbreitungsmöglichkeiten. Arten wie der Eis-Mohrenfalter leben in den kalten Gipfelregionen. Wird es dort wärmer, bleibt solchen Arten womöglich kein Ausweg; sie werden von stärkeren Konkurrenten verdrängt, die durch die Wärme begünstigt in die höheren Regionen drängen. Ob diese befürchtete Entwicklung tatsächlich eintritt, kann das BDM feststellen, weil das Programm auch in den Bergen über ein engmaschiges Netz an Probeflächen verfügt. Diese Flächen sind zwar relativ kostenintensiv, weil sie schwer erreichbar sind und eine Begehung im unwegsamen Berggelände mehr Zeit braucht als im Flachland. Nun zeigt sich aber einmal mehr, dass sich dieser Aufwand lohnt. Denn nur dank diesen alpinen Probeflächen werden wir die Höhenwanderungen repräsentativ beobachten können.

Neophyten profitieren
Neophyten sind gebietsfremde, nach der Entdeckung Amerikas eingeschleppte Pflanzenarten. Sie werden sich vermehrt in der Schweiz ausbreiten, wenn die Temperaturen steigen. Dies zeigt ein Modell von Michael Nobis von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL.

Bild: Neophytenvielfalt in der Schweiz nach dem Modell Nobis. Auffällig ist die hohe Neophytenvielfalt in dicht besiedelten, warmen Lagen. Die Daten liefert das BDM-Messnetz, mit der die Artenvielfalt in Schweizer Landschaften erfasst wird (BDM-Indikator Z7).


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Oktober 2007

 
       
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