TWW sind wichtig für die Artenvielfalt  
       
 

 

Daten des BDM belegen, dass Landschaften mit Trockenwiesen und -weiden (TWW) durchschnittlich mehr Arten beherbergen als die Normallandschaft. Dies gilt vor allem für Gefässpflanzen und Tagfalter. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied zwischen TWW und Normallandschaft auf der Alpensüdseite.

Viele Wärme liebende Arten finden in TWW ihren bevorzugten Lebensraum, etwa mehrere hundert Pflanzarten oder rund 40 Prozent der einheimischen Schmetterlingsarten. Doch beeinflusst das Vorkommen von TWW auch die Biodiversität ganzer Landschaften? Um diese Frage zu beantworten, hat die BDM-Koordinationsstelle Stichprobenflächen mit national bedeutenden TWW und Flächen ohne TWW-Anteil miteinander verglichen.

Fast ein Fünftel mehr Arten
Die Auswertung ergab, dass auf Stichprobenflächen mit TWW-Anteil durchschnittlich 18 Prozent mehr Arten leben. Die BDM-Feldbiologen fanden auf Flächen mit TWW-Anteil 11 Tagfalterarten (43 gegenüber 32), 42 Gefässpflanzenarten (275 gegenüber 233) und 2 Brutvogelarten (36 gegenüber 34) mehr als auf «normalen» Flächen. Auf den trockenen und nährstoffarmen Böden der TWW gedeihen viele Gefässpflanzenarten, was die TWW wiederum für viele Tagfalterarten attraktiv macht. Dies erklärt, warum viele Tagfalterarten hauptsächlich auf Stichprobenflächen mit TWW vorkommen, zum Beispiel Vertreter der Blutströpfchen, Bläulinge und Scheckenfalter. Zwar sind TWW auch für manche Vogelarten ein wichtiger Lebensraum; die meisten Vögel favorisieren aber gehölzreichere Standorte.

Grosse Unterschiede im Tessin
Am grössten ist der Unterschied zwischen Stichprobenflächen mit und ohne TWW auf der Alpensüdflanke: Dort leben auf Stichprobenflächen mit TWW rund 15 Tagfalterarten mehr als in der Normallandschaft. Dieses deutliche Artenplus ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass im Tessin viele einst extensiv bewirtschaftete Flächen aufgegeben und dem Wald überlassen wurden. Im Tessin liegen deshalb viele BDM-Stichprobenflächen im dichten Wald, wo naturgemäss relativ wenige Tagfalterarten vorkommen. Umso grösser ist der Unterschied zu den Offenlandflächen mit TWW.

Im Vergleich zur Alpensüdseite ist das mittlere Tagfalter-Artenplus im Jura mit 6 Arten eher klein, vermutlich deshalb, weil sich im Jura Flächen mit TWW-Anteil oft gar nicht grundlegend von «normalen» Flächen unterscheiden. Im Jura gibt es neben den TWW von nationaler Bedeutung noch viele weitere Trockenstandorte und magere Wiesen, die nicht im Bundesinventar auftauchen aber für die Artenvielfalt ebenfalls wichtig sind.

Armes Mittelland
Für das Mittelland liefert der Vergleich nur wenige aussagekräftige Daten. Dies liegt daran, dass im Mittelland die Intensivierung der Landwirtschaft und die Überbauung von südexponierten Hanglagen nur wenige TWW übrig gelassen hat. Dies ist bedauerlich, denn die BDM-Zahlen zeigen eindeutig, dass das Vorkommen von TWW die Artenvielfalt einer Landschaft erhöht. Für manche Arten ist der Erhalt von TWW sogar überlebenswichtig.

 

Abb: Mittlere Anzahl Arten (Gefässpflanzen, Tagfalter, Brutvögel) auf BDM-Stichprobenflächen mit und ohne Anteil an Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (Vertrauensbereich von 95 Prozent). Stichprobenflächen mit TWW-Anteil beherbergen im Mittel 10 Tagfalter-, 41 Gefässpflanzen- und 2 Brutvogelarten mehr als andere Stichprobenflächen. Insgesamt wurden 471 Stichprobenflächen mit einer Medianhöhe von unter 2200 Meter über Meer ausgewertet, davon 357 mit und 114 ohne TWW-Anteil.

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Oktober 2008

 
       
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