Anpassungsfähige Arten erobern die Siedlungen  
       
 

 

Daten des BDM deuten darauf hin, dass die Pflanzenvielfalt im Siedlungsraum nicht besonders hoch ist. Es sind vor allem anpassungsfähige Arten, die in Siedlungen einen neuen Lebensraum gefunden haben. Besonders erfolgreich sind gewisse Moosarten, die im Siedlungsraum neue Artengemeinschaften bilden.

Das Silbermoos (Bryum argenteum) ist ein Anpassungskünstler. Der ursprüngliche Bewohner von Felsen und Flussauen kommt gegenwärtig auf sehr vielen BDM-Stichprobenflächen im Siedlungsraum vor. Mit den dortigen, schwierigen Bedingungen kommt das Moos bestens zurecht: Es erträgt Fusstritte, lässt sich unbeschadet überfahren, trotzt Abgasen, Putzmaschinen und Streusalz. Andere Moose oder Pflanzenarten, die ihm den Platz in natürlichen Habitaten streitig machen, sind gegenüber den Bedingungen in Siedlungen meistens weit weniger widerstandsfähig. Auch in seinen angestammten Lebensräumen kann das konkurrenzschwache Silbermoos nur dann überleben, wenn Umwelteinflüsse wie Überschwemmungen Konkurrenten dezimieren. Bleibt ein Standort hingegen weitgehend ungestört, wird das Silbermoos schnell verdrängt.

Foto von Silbermoos (Bryum argentum)
Früher eher selten, heute dank seiner Anpassungsfähigkeit sehr häufig: das Silbermoos (Bryum argentum).
Foto: Norbert Schnyder

Diese Entwicklung kann das BDM mit dem Kernindikator «Artenvielfalt in Lebensräumen (Z9)» gut belegen. Das Bundesprogramm zeigt, welche Arten wo leben und wie häufig eine Art in gewissen Lebensräumen vorkommt – etwa auf landwirtschaftlichen Flächen, im Wald oder in Siedlungen. Siedlungsflächen sind im Hinblick auf die Anpassungsfähigkeit von Arten besonders interessant, denn es sind evolutionsgeschichtlich relativ neue Lebensräume. In Siedlungen leben vor allem Arten, die besonders gut mit den neuen Bedingungen zurecht kommen. Moose sind offenbar speziell erfolgreich: Auf BDM-Stichprobenflächen in Siedlungen leben einige Moosarten, die auf anderen BDM-Flächen nur selten gefunden werden.

Mässig hohe Vielfalt in Siedlungen
Anders als bei den Moosen stellt das BDM für Gefässpflanzen und Mollusken keine besondere Artenzusammensetzung in Siedlungen fest. Die Zusammensetzung der Pflanzen und Molluskenarten auf Siedlungsflächen ähnelt vielmehr jener von Landwirtschaftsflächen. Entgegen der Meinung vieler Experten scheint die Artenvielfalt von Pflanzen in Siedlungen zudem nicht besonders hoch zu sein.

Werden alle Stichprobenflächen – also auch versiegelte – berücksichtigt, unterscheidet sich die durchschnittliche Artenvielfalt in Siedlungen kaum von derjenigen im Landwirtschaftsgebiet oder im Wald (siehe Balkendiagramm).

Diagramm


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Januar 2009

 
       
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