Eine Wiese wie die andere  
       
 

 

Löwenzahn hier, Löwenzahn da, Löwenzahn allüberall – das Grasland in der Schweiz gleicht sich zunehmend. Dieser Prozess konnte mit dem neuen BDM-Indikator «Vielfalt von Artengemeinschaften (Z12)» aufgedeckt werden. Entsprechende Auswertungen von bestehenden BDM-Daten zeigen, dass die Artengemeinschaften der Wiesen und Weiden sich immer ähnlicher werden – vor allem im Mittelland und im Jura.

In den vergangenen Jahren hat das BDM festgestellt, dass die Artenvielfalt der Gefäss- pflanzen in der Schweiz zunimmt – insbesondere in den Wiesen und Weiden. Dies ist grundsätzlich eine ermutigende Entwicklung, gilt doch in weiten Teilen der intensiv genutzten Schweizer Landschaft eine hohe Artenvielfalt als positiv und umgekehrt eine abnehmende Vielfalt als Grund zur Besorgnis. In Fachkreisen bezweifelt man allerdings, ob die Gleichung «mehr Arten gleich höhere Vielfalt» immer aufgeht, denn die Anzahl gefundener Arten sagt noch nichts über die ökologische Qualität des Pflanzenbestands aus. Als wertvoll stufen Biologen vor allem wenig verbreitete Arten ein sowie solche, die spezielle ökologische Ansprüche an ihre Umgebung stellen. Diese Arten sind typisch für bestimmte Lebensräume und machen die Landschaft unverwechselbar. Es ist deshalb wichtig zu wissen, welche Arten zur biologischen Vielfalt beitragen.

Immer ähnlichere Artengemeinschaften
Viele Fachleute befürchten, dass die Artenvielfalt mancherorts nur deshalb steigt, weil ohnehin schon häufige Arten sich weiter ausbreiten. Dies könnte die standortbedingten oder kulturell verursachten Besonderheiten der Lebensräume verwischen. Am Ende dieses Prozesses stünde die Normalwiese, der Normwaldrand oder die Standardhecke, die überall in der Schweiz ähnliche Arten beherbergen. Statt spezialisierte, standorttypische Arten würden überall die gleichen Allerweltsarten wachsen.
Eine solche Trivialisierung der Artengemeinschaften gilt als schmerzlicher Verlust an Vielfalt, weil dabei die Eigenheiten jedes Standortes zunehmend verloren gehen.

Foto von Silbermoos (Bryum argentum)
Sämtliche BDM-Stichprobenflächen werden paarweise miteinander verglichen. Je grösser die Anzahl der auf beiden Flächen gefundenen Arten, desto ähnlicher sind sich die Flächen.
Abbildung: BDM (schematisiert)

Neuer Indikator misst Ähnlichkeit
Vor diesem Hintergrund hat das BDM einen neuen Indikator entwickelt. Ziel ist es, die Vielfalt respektive Ähnlichkeit von Artengemeinschaften zu messen. Zudem soll dokumentiert werden, wie sich die Artengemeinschaften im Lauf der Zeit verändern. Der Indikator «Vielfalt von Artengemeinschaften (Z12)» vergleicht dazu die Vielfalt der Artenzusammensetzungen verschiedener Lebensräume und Landschaften miteinander. Mit dem neuen Indikator verfügt die Schweiz über ein aussagekräftiges Messinstrument für diesen zentralen Aspekt der Biodiversität.

Häufige Arten breiten sich weiter aus
Wie bereits erwähnt, sind die Artenzahlen der Gefässpflanzen in Wiesen und Weiden in den letzten Jahren gestiegen. Der neue Indikator lässt nun aber erkennen, dass die Vielfalt von Artengemeinschaften gleichzeitig abnimmt. Die detaillierte Analyse auf Artniveau zeigt nämlich, dass es die ohnehin schon häufigen Arten der Fettwiesen sind, die sich weiter ausbreiten und den Anstieg der Vielfalt verursachen. Zu diesen Arten gehören zum Beispiel der Löwenzahn (Taraxacum officinale), das Gemeine Rispengras (Poa trivialis) oder der Kriechende Günsel (Ajuga reptans). Diese nährstoffliebenden Pflanzenarten kommen heute in vielen Gebieten vor, wo sie früher nicht anzutreffen waren. Mit anderen Worten: Die Wiesen und Weiden der Schweiz sehen sich zunehmend ähnlicher.

Die folgenden zwei Abbildungen illustrieren dieses erstaunliche Phänomen am Besipiel der Brutvögel: Während die mittlere Brutvogelvielfalt im Jura und im Mittelland am grössten ist (Abb. oben), ist die Vielfalt der Brutvogel-Gemeinschaften just in diesen beiden Regionen am niedrigsten (Abb. unten). Dies verdeutlicht, dass die Vielfalt der Brutvögel zwischen Boden- und Genfersee stets durch etwa dieselben Arten gebildet wird.


Brutvogelvielfalt in der Schweiz. Je dunkler der Farbton, desto höher ist die Artenvielfalt.

Die Karte zeigt, in welchen Regionen die Vielfalt der Artengemeinschaften am grössten ist.
Vielfalt von Brutvogelgemeinschaften in der Schweiz. Je dunkler der Farbton, desto unterschiedlicher sind die Voglegemeinschaften zusammengesetzt.


Dies ist eine gekürzte Fassung der Nachricht.
> Vollständiger Text  (pdf, 4,5 MB)

September 2009

 
       
    > Zur vollständigen Nachrichtenliste